Man sollte es nicht glauben, dass in einem Lande wie die unseren an unserer Zukunft gespart wird. Denn das die Kinder unsere Zukunft sind, dass wird uns ja immer wieder gerne von den Politikern erzählt. Nur langsam frage ich mich, welche Kinder meinen die? Die Kinder von Besserverdienenden? Sicher eher, als die von ALG II EmpfängerInnen. Denn von 208 € für ein Kind unter 15 Jahren ist eine Teilnahme an den immer kommerzieller werdenden Bildungssystem nicht möglich. Es ist ja schon nicht möglich einem Kind aus einer Hartz IV Familie die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben zu ermöglichen.

Der ALG II Satz für Kinder teilt sich folgendermaßen auf:

Täglich:

Frühstück        0,45 €

Mittagessen    0,79 €

Abendessen    0,79 €

Getränke tgl.  0,53 €

Monatlich sind vorgesehen

Bus und Bahn        8,46 €

Für den Kauf eines Fahrrades    0,40 €

Die Zahlen habe ich dem BAGHSHI Positionspapier zur Kinderarmut entnommen.

Ich finde es gelinde gesagt beschämend das ein Land das die meisten Milliardäre in Europa (alleine die Gebrüder Albrecht (aldi) schlagen mit einem Privatvermögen von 34 Milliarden zu Buche) es sich nicht leisten kann seine Menschen vernünftig finanziell zu versorgen. 60 % des Regelsatzes für Erwachsene erhält ein Kind bis zu 15 Jahren. Schon der Regelsatz für Erwachsene ist nicht ausreichend, nicht einmal annähernd. Nun mag manch einer sagen, aber es gibt doch noch Kindergeld. Das stimmt auch, nur wird das Kindergeld in einer ALG II Bedarfsgemeinschaft als Einkommen angerechnet. Also wird es dem Regelsatz gegen gerechnet.

Es macht einfach wütend zu sehen, wie hier Kindern bereits die Perspektive genommen wird. Durch die Mietobergrenzen, und damit verbunden die Umsiedlung in soziale Brennpunkte (denn Wohnraum der auch vom Amt bezahlt wird, ist meistens nur da zu haben) findet eine Gettoisierung der Armen statt. Hier ballen sich denn auch entsprechend Problemkinder. Denn durch die finanzielle Not, durch Ausgrenzung kommt es zu Agressionen und zu psychischen Erkrankungen. Suchtprobleme treten vermehrt auf.  Kinder lernen sehr schnell das sie nicht mehr dazu gehören, dass sie ausgegrenzt werden. Ich rede hier gar nicht so sehr von Markenklamotten oder dem neusten Handy, dass ist eine Problematik für sich und meiner Meinung nach unerträglich das Menschen, besonders Kinder, sich derart über Konsum definieren, ich rede von einfachen Dingen. ALG II Kinder haben oft keinen privaten Kontakt mehr zu ihren Klassenkameraden. Auf Kindergeburstage nicht mehr eingeladen werden ist für Kinder von Hartz IV Empfängern keine Seltenheit, denn sie können sich keine Geschenke für andere leisten. Ihrerseits ihre Klassenkameraden zum Geburstag einladen geht nicht, weil die Wohnung zu klein ist und kein Geld da ist um eine Horde Kinder zu bewirten. Das grenzt aus.

Aber am meisten ärgert mich das nicht einmal eine gesunde Ernährung für Erwachsene und Kinder möglich ist. Versucht mal eurem Kind von 2,56 € täglich 3 gesunde Mahlzeiten mit frischem Gemüse und mit frischem Obst auf dem Tisch zu bringen. Ganz abgesehen von noch mal was leckerem zwischendrin. Das gehört nämlich auch zum Kind sein!

Die Transfairleistungen haben übrigens noch einen Nutzen, sie machen die Reichen noch reicher. Denn woanders als bei Aldi, Lidl und anderen Discountern einkaufen ist nicht möglich wenn es über den Monat reichen soll.  Das Recht auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung sollte doch jedem zustehen. Dann durch die Billigernährung bei der in erster Linie sehr fettes Essen und sehr viele Kohlenhydrate aufgenommen werden, züchten wir eine neue Gesellschaft von Übergewichtigen. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders war dick sein in, um zu zeigen, dass der Mensch sich gutes Essen leisten kann. Heute haben wir es anders herum. Heute werden die Leute dick, weil sie sich eine qualitativ gute und ausgewogene Ernährung nicht leisten können.

Irgendjemand hat einmal gesagt: Eine Gesellschaft zeigt ihren Wert daran wie sie ihre Ärmsten und Schwächsten behandelt. Ich stelle fest, dass die BRD hier ein erbärmliches Bild bietet.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Soziologe und Armutsforscher, sagte: Um Armut zu bekämpfen müssen wir uns trauen Reichtum anzutasten und recht hat er. Wir können nicht permanent an denen sparen die eh nichts haben und es denen geben die eh schon nicht mehr laufen können vor Geld. Es gibt Unternehmen die steuerlich so entlastet sind, dass ihr Pförtner prozentual gesehen einen höheren Steuersatz bezahlt wie sie.

Hier besteht dringend Handlungsbedarf, sonst könnte so langsam der Eindruck entstehen, dass diese Armut (dieses Armutszeugnis) von der Regierung gewollt ist.